Licht aus. Ist das alles?

„Und du glaubst wirklich, dass du mit Kerzenlicht und Musik das Weltklima ändern kannst?“
Nach einer kurzen Ansprache, die dem Straßenlärm der Sonnenallee wenig entgegen halten kann, zählen die knapp 100 Menschen den Countdown von 10 abwärts und beobachten, wie um Punkt 20.30 Uhr die Straßenlaternen auf dem Stachus ausgehen. Ein kleines Zeichen, das beklatscht wird. Auch wenn die riesigen Schaufenster der umliegenden Geschäfte und der Fast-Food-Kette Tag und Nacht hindurch leuchten und sich gänzlich unbeeindruckt zeigen.

Am 23.03.2013 versammelten sich knapp über 100 Menschen am Münchner Stachus zur Earth Hour. Das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München und der Kreisjugendring München-Stadt veranstalteten ein Konzert unter dem Motto „Licht aus – Klimaschutz an. München unplugged“. Weltweit schalten viele Städte für eine Stunde die Lichter von Sehenswürdigkeiten aus und nutzen die Earth Hour, um auf den Umwelt- und Klimaschutz aufmerksam zu machen.

„Heute schalte auch ich um 20.30 Uhr zur #Earth-Hour in meiner Wohnung das Licht aus! Machen Sie mit, damit vielen anderen ein Licht aufgeht!“, twitterte der Bundesumweltminister Peter Altmaier am frühen Abend.

Kurz vor 20 Uhr macht in München nur wenig darauf aufmerksam, was gleich noch kommen wird. Der Himmel ist bereits dunkel. In den Geschäften werden die letzten Kunden verabschiedet und die Türen geschlossen. Die Schaufenster leuchten weiterhin grell in den Abend hinein. Die eisige Kälte und der unerbittliche Wind laden nicht dazu ein, länger als nötig auf der Straße zu verweilen. Und dennoch versammeln sich einige Menschen um die kleine Bühne auf dem riesigen Stachus. Die kleinen Aufsteller mit dem „60+ earth hour“ Logo und die zwei Fahnen neben der Bühne „München für Klimaschutz“ verraten das Motto.

Die Earth Hour ist eine Initiative des World Wide Fund For Nature (WWF) um ein Zeichen für Klimaschutz zu setzen. Denn manchmal schafft auch Dunkelheit Aufmerksamkeit. 2007 hatten in Sidney auf Initiative des WWF über zwei Mio. Haushalte für eine Stunde das Licht ausgeschaltet. Die Jahre drauf hatte sich die Idee weiter ausgebreitet. So hatten sich 2011 über 5.200 Städte in 135 Ländern an der Aktion beteiligt, 2013 über 7.000 Städte und Gemeinden in mehr als 150 Ländern, auf sieben Kontinenten. Ab 20.30 Uhr (Ortszeit) heißt es überall auf der Welt für eine Stunde: Licht aus! Damals wie heute setzen alle beteiligten Städte ein Zeichen für den Klimaschutz und rufen auf umweltfreundlicher zu leben und zu handeln.

„Wia gehts dir? Mia gehts gut. Was hast du heute alles angestellt? Was hast du heut noch vor?“ singt die bayrische Band Feierdog. Es werden Kerzen und Infomaterialien verteilt. Die Stimmung ist gut und die Kälte wird weggetanzt. Und während die Zuschauer versuchen, die Flammen der Kerzen vor dem Gegenwind zu retten, mischen sich kritische Stimmen unter. „Und du glaubst wirklich, dass du mit Kerzenlicht und Musik das Weltklima ändern kannst?“, fragt ein vorübergehender Passant. Diskussionen werden geführt. Das Thema und die Aktion werden besprochen – offline und online. Im Internet finden sich Kommentare wie: „Ich fass es nicht, Das es immer noch Menschen gibt, Die Tatsächlich Glauben wenn man Einmal im Jahr für ne Std Das Licht abstellt damit Das Klima schützt.“ Nur ein Kommentar von mehreren hundert, die das pro und contra der Earth Hour diskutieren. Irgendwann gehen in München die meisten Kerzen ganz aus. Der Wind ist zu stark. Manche zünden sie immer wieder an, manche geben es aufgrund der widrigen Umstände auf. Und trotzdem wird gesungen und getanzt. Die Feier und die erloschene Straßenbeleuchtung sind das Zeichen.

In ganz Deutschland beteiligten sich 144 Städte an der Earth Hour. So wurden u.a. das Brandenburger Tor in Berlin, der Kölner Dom und die Frankfurter Skyline in Dunkelheit gehüllt. Jede Stadt in Deutschland entscheidet selbst, wie sie die Earth Hour gestaltet. Alle Städte haben gemeinsam, dass während der Earth Hour Unterschriften für eine Petition gesammelt werden. Der WWF Deutschland hatte für dieses Jahr das Motto „Ja zur Energiewende!“ mit fünf konkreten Forderungen an die Politik ausgerufen. Die Forderungen sind der dynamische Ausbau der erneuerbaren Energien, eine Energiesparstrategie, gerechte Verteilung der Kosten und eine echte Beteiligungsmöglichkeit für die Zivilgesellschaft.
Und gerade weil der Begriff Klimaschutz so viele verschiedene Themen bündelt und der Diskurs innerhalb der Länder unterschiedlich geführt wird, stellt jedes Land seine Probleme in den Fokus.

In Russland wurden mehr als 100.000 Unterschriften für den Schutz des Waldes gesammelt, in Rumänien haben verschiedene Städte einen Wettkampf um die Ausrichtung des offiziellen rumänischen Earth Hour Events gestartet, in dem Sie Plastik gesammelt haben. Die Stadt Timişoara im Westen Rumäniens hat mit ihrer Sammelaktion von 3,58 Tonnen Plastikflaschen gewonnen.

In München wurden Sehenswürdigkeiten der Stadt für eine Stunde in Dunkelheit gehüllt und es wurde ein Konzert veranstaltet. So hat auch München seinen Teil zur Earth Hour beigetragen. Auch wenn es manchmal schwer ist die Dunkelheit neben all den leuchtenden Schaufenstern und Reklamen zu erkennen und zu deuten.

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