Das seltene Auftreten von geilem Content

Suricate or meerkat (Suricata suricatta) family

Jemand schreibt „geiler Content“ laut ins Internet und schon sind die Contentproduzenten hellhörig. „Ja, wo ist er denn? Dieser geile Content?“ Und: „Wer hat ihn gemacht?“

Der erste Berührungspunkt mit Content und damit der Eyecatcher ist die Überschrift. Oder warum wird uns aktuell vor Augen geführt, dass Artikel wie „Also die Hunde sind ja schon mal echt der Knüller. Aber als die Katze auftaucht, ist die Geschichte perfekt!“ mehrere zigtausendmal geshared werden?

Der Inhalt ist nett (Catcontent), aber weit entfernt von „geil“. Während die Überschrift noch Spannung erzeugt, plätschert der Content –im wahrsten Sinne des Wortes- so dahin.

Geiler Content überrascht und begeistert. Von Anfang an. Bis zum Ende!

Und wie begeistert er?
Content besteht aus vielen unterschiedlichen Elementen. Und sie alle müssen Hand in Hand gehen, aufeinander abgestimmt und von höchster Qualität sein. Reden wir von einem Artikel, muss das Thema interessant und gut recherchiert sein, Teaser und Zwischenüberschriften sollen das Thema bestmöglich abbilden und den Leser durch den (geilen) Content führen. Eine Wiederholung des immer Gleichen lädt nur zum Gähnen ein.

Im Umkehrschluss kann man auch sagen, dass kein Content-Element negativ auffallen darf. Ein schlechter Schreibstil fällt auf, genauso wie eine schlechte Formatierung oder Darstellung des Content. Geiler Content kann auf einer Spam-Glitter-Popup animierten Webseite nicht zur Geltung kommen.

Und wenn wir von Content reden, dann sicherlich nicht nur von Text. Video, Audio, Bilder – alles kann uns ansprechen und auf unterschiedlichen Ebenen emotional abholen. Ein interessanter Text lässt den Lesern mit- und nachdenken. Bilder realisieren die Situation und Umwelt. Sowohl Stimmen als auch Geräusche einer Stadt lassen Assoziationen zu Bekanntem und Sympathien entstehen. Und nicht umsonst werden Videos als Online-„Trends“ propagiert. Sie vereinen alles in sich und lassen den Betrachter Menschen und Orte kennen lernen.

Genauso schnell kann ein tolles Thema mit großartigen Protagonisten und fesselnden Bildern aber einem knirschenden Ton das Erlebnis „Video-Content“ zerstören.

Und deshalb möchte ich an dieser Stelle „Firestorm“ von The Guardian nennen. Weil mich persönlich die Art der Aufmachung einfach mitgerissen hat: Die Geräusche, die großen Pics, die Videos und animierten Hintergrundbilder. An so vielen Stellen hat der User die Möglichkeit für sich zu entscheiden, welche Contentform, welchen Content und wieviel Content er zu dem Thema konsumieren möchte. So werden die individuellen Konsumpräferenzen berücksichtigt.
Leider geil!

Und warum machen wir das dann nicht immer so?
Weil es schlichtweg zu viel Aufwand ist. Die Meinung herrscht vor, dass viel Content zur Auswahl stehen sollte, um so viele User wie möglich auf den eigenen Content zu lenken. Genauso schnell sind sie auch wieder weg. Im Gedächtnis hat sich vermutlich nicht die Erinnerung an geilen Content festgesetzt.

Ob wir mit Big Data Auswertungen im Social Reading Bereich eines Tages Anweisungen für guten Content haben werden? Oder ob sich eine langfristige Strategie mit ausgewähltem, geilem Content vs. „kurzfristig viel Content“ durchsetzen würde?

Selbst wenn das Rezept doch einmal niedergeschrieben werden sollte, bleibt abzuwarten, ob die ewige Wiederholung dieses Musters nicht erneut Langeweile aufkommen lässt.

Danke an Mirko Lange für den Aufruf zur Blogparade „Geiler Content – aber wie geht das?“ und dem damit verbundenen Anstoß sich nach jedem Content-Konsum die Frage zu stellen „War das geiler Content?“ Und „Was fand ich daran geil?“

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